Marktbericht Juni 2026
Logistik: Bitte disponieren Sie mit Vorlauf
Nach einer vergleichsweise stabilen Entwicklung zu Jahresbeginn hat sich der Seefrachtmarkt in den vergangenen Wochen deutlich verändert. Während zuletzt vor allem die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und die Auswirkungen auf die Bunkerkosten im Fokus standen, wird die aktuelle Marktsituation inzwischen vor allem durch eine kurzfristige Verknappung von Schiffsraum geprägt. Seit Ende Mai beobachten wir auf den wichtigsten Relationen von Asien nach Europa einen spürbar stärkeren Nachfrageanstieg als üblich. Gleichzeitig haben viele Reedereien ihre Kapazitäten bereits durch Blank Sailings reduziert. Das Zusammentreffen beider Effekte führt aktuell zu eingeschränkten Kapazitäten, längeren Buchungsvorläufen und einer insgesamt höheren Marktvolatilität.
Besonders betroffen sind derzeit die Verkehre aus China und Südostasien nach Europa. Indien zeigt ebenfalls eine erhöhte Nachfrage, während sich die Märkte aus dem Mittelmeerraum und Südamerika aktuell vergleichsweise stabil entwickeln. Aus heutiger Sicht erwarten wir, dass diese Situation vor allem die Monate Juni und Juli prägen wird. Verschiffungen dauern aktuell im Durchschnitt mindestens 60 Tage. Gleichzeitig ist weiterhin mit höheren Frachtraten sowie möglichen Verzögerungen bei Ankunft und Weitertransport zu rechnen. Wir empfehlen daher, Bedarfe mit ausreichendem Vorlauf zu disponieren und frühzeitig mit uns in die Planung zu gehen. Gemeinsam mit unseren Logistikpartnern beobachten wir die Entwicklungen täglich und steuern kritische Sendungen besonders eng, um mögliche Auswirkungen auf Liefertermine frühzeitig zu erkennen und die Versorgungssicherheit bestmöglich abzusichern.

Tomate
Die weltweite Verarbeitung von Tomaten wird im Jahr 2026 voraussichtlich rund 40,1 Mio. Tonnen erreichen und damit leicht unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Die AMITOM-Region (Europa und Mittelmeerraum) bleibt mit einer prognostizierten Produktion von 17,6 Mio. Tonnen und einem Anteil von über 40 % an der globalen Verarbeitungsmenge die wichtigste Erzeugungsregion. Gegenüber 2025 entspricht dies einem moderaten Wachstum von rund 4 %.
Auf globaler Ebene zeigt sich ein differenziertes Bild: Während Kalifornien mit rund 9 Mio. Tonnen einen deutlichen Rückgang von etwa –15 % im Vergleich zum starken Vorjahr erwartet, baut China seine Position weiter aus und steigert die Produktion voraussichtlich auf 5,85 Mio. Tonnen (+19 %). Parallel dazu investiert China weiter in zusätzliche Anbauflächen und Verarbeitungskapazitäten.
Die Branche bleibt weiterhin von strukturellen Herausforderungen geprägt. Insbesondere Wetterextreme, eingeschränkte Wasserverfügbarkeit, steigende Kosten für Energie, Dünger, Verpackung und Logistik sowie anhaltende geopolitische Unsicherheiten und neue regulatorische Anforderungen erhöhen die Komplexität und Volatilität im Marktumfeld.
Die Saison 2026 entwickelt sich in Südeuropa bislang insgesamt positiv und stabil. Nach einem teilweise kühlen und nassen Mai sind die Pflanzarbeiten weitgehend abgeschlossen. Spanien zeigt eine sehr gute Bestandsentwicklung und bleibt trotz aktueller Hitze bei einer Produktionsprognose von 2,75 Mio. Tonnen (+14,1 % vs. 2025). Spanien etabliert sich damit als zentraler Wachstumstreiber innerhalb Europas. Portugal erwartet mit rund 1,30 Mio. Tonnen eine stabile Produktion auf Vorjahresniveau bei derzeit günstigen Wetterbedingungen. Italien bestätigt mit 5,80 Mio. Tonnen seine Rolle als größter europäischer Produzent. Trotz hoher Temperaturen verlaufen die Pflanzungen planmäßig, und verbesserte Wasserreserven im Süden wirken unterstützend. Gleichzeitig führen deutlich gestiegene Produktionskosten weiterhin zu intensiven Preisverhandlungen entlang der Wertschöpfungskette.
Insgesamt präsentiert sich die Versorgungslage in Europa derzeit als ausgeglichen bis komfortabel, getragen durch Wachstum in Spanien sowie stabile Mengen aus Italien und Portugal. Die aktuelle Hitzewelle in Europa führt zunehmend zu Stresssituationen im Anbau. Hohe Temperaturen und trockene Böden beeinträchtigen insbesondere die Fruchtbildung und führen regional zu Risiken bei Ertrag und Qualität. Gleichzeitig beschleunigt die Hitze die Reife, was zu kleineren Früchten und teilweise geringeren Brix-Werten führen kann.
Auf der Preisseite zeigen sich aktuell seitwärts tendierende bis leicht rückläufige Marktbewegungen. Hauptursache hierfür sind Bestandsüberhänge aus dem Vorjahr, insbesondere bei zweifach konzentriertem Tomatenmark, die weiterhin Druck auf die Preise der Ernte 2026 ausüben.
Gleichzeitig eröffnen sich für Sie aktuell gezielt Beschaffungsopportunitäten: Neben europäischen Ursprüngen bieten insbesondere Ägypten und Chile derzeit attraktive Preisniveaus und liegen teilweise deutlich unter europäischen Angeboten. Vor diesem Hintergrund empfehlen wir Ihnen, die aktuelle Marktsituation aktiv zu nutzen und kurzfristige Preisvorteile gezielt abzusichern. Für kritische Bedarfe ist es darüber hinaus sinnvoll, Teilabsicherungen vorzunehmen, um sich gegen mögliche Marktveränderungen im weiteren Saisonverlauf abzusichern. Denn die kommenden 6–8 Wochen werden entscheidend sein: Die tatsächlichen Ertragsentwicklungen in Spanien, Portugal und Italien sowie die Wetterbedingungen während Fruchtbildung und Ernte werden maßgeblich darüber entscheiden, ob der aktuelle Preisdruck bestehen bleibt oder sich die Märkte wieder festigen.

Thunfisch
Die Marktsituation in den beiden Hauptursprüngen für Europa – Ecuador und Philippinen – bleibt weiterhin angespannt.
In Ecuador befindet sich die Thunfischindustrie derzeit in einem der schwierigsten Jahre überhaupt. Die Fangmengen sind deutlich zurückgegangen: Im ersten Quartal 2026 lagen die Skipjack-Fänge bei nur 53.966 Tonnen und damit rund 35 % unter Vorjahr. Hauptursache ist das anhaltende Super-El-Niño-Phänomen, welches die Thunfischbestände im östlichen Pazifik weiterhin beeinträchtigt. Gleichzeitig führen längere Fangreisen zu deutlich höheren Betriebskosten. Zusätzlich wird im zweiten Halbjahr eine weitere Angebotsverknappung durch anstehende Fangbeschränkungen (Veda) erwartet. Vor diesem Hintergrund sind die Rohwarenpreise zuletzt deutlich gestiegen und notieren aktuell bei rund USD 2.100/mt.
Auch aus General Santos auf den Philippinen ergeben sich derzeit zusätzliche Risiken für die Versorgungslage. Ein starkes Erdbeben in der Region hat die Infrastruktur beeinträchtigt, sodass die Produktion aktuell nur eingeschränkt wieder aufgenommen wird. Zudem bleibt der Hafen voraussichtlich bis Anfang Juli aus Sicherheitsgründen für die Containerverladung geschlossen, was zu weiteren Verzögerungen in der Lieferkette führt. Insgesamt bleibt der Markt durch ein begrenztes Rohwarenangebot, steigende Kosten sowie logistische Einschränkungen deutlich unter Druck. Weitere Preissteigerungen sind aus heutiger Sicht wahrscheinlich.
Vor diesem Hintergrund empfehlen wir Ihnen, bestehende Bedarfe kurzfristig zu decken und den Markt weiterhin eng zu begleiten. Aktuell verfügen wir noch über verfügbare Mengen an MSC+ FAD Free Flakes SFO in 7-kg-Beuteln sowie kleinere Positionen an MSC Chunks SFO in 7-kg-Beuteln und 2/1 Dosen. Sprechen Sie uns bei Interesse oder konkreten Bedarfen gerne kurzfristig an.

Capsicum
Die Marktsituation für Capsicumprodukte zeigt je nach Ursprung ein differenziertes Bild:
In Ägypten lagen die ersten Preisindikationen für die Saison 2026 zunächst rund 20 % über dem Vorjahresniveau, weiterhin aber auf einem sehr wettbewerbsfähigen Niveau. Mit einem Team aus lokalen Experten begleiten wir sowohl den Anbau als auch die Produktion eng in den Bereichen Qualitätssicherung und Produktionsstandards.
In der Türkei bleibt die Situation angespannt. Die deutlich gestiegenen Produktionskosten – insbesondere aufgrund anhaltend hoher Inflation sowie erhöhter Ausgaben für Energie, Verpackung und Personal – führen dazu, dass die ersten Preisforderungen für die Saison 2026 aktuell ebenfalls bei rund +20 % im Vergleich zum Vorjahr liegen. Derzeit liegen bedingt durch die anhaltende Hitzewelle noch keine flächendeckenden signifikanten Ernteausfälle vor, jedoch steigt mit anhaltend hohen Temperaturen das Risiko für geringere Erträge und Qualitätseinbußen im weiteren Saisonverlauf.
Der peruanische Markt zeigt sich derzeit weitgehend stabil. Die Preise bewegen sich insgesamt auf Vorjahresniveau, lediglich abhängig von Qualität, Kaliber und Spezifikation sind punktuelle Schwankungen möglich. Insgesamt erwarten wir hier aktuell keine wesentlichen Marktverwerfungen.
Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Entwicklungen begleiten wir die Märkte eng und empfehlen unseren Kunden, Bedarfe frühzeitig abzusichern.

Kokos
Der Kokosmarkt zeigt sich für die kommenden Monate insgesamt fester. Kurzfristig ist die Versorgungslage zwar noch solide, gleichzeitig mehren sich jedoch die Signale für ein anspruchsvolleres Marktumfeld im zweiten Halbjahr. Hintergrund sind die saisonal anziehende Nachfrage sowie die absehbaren Auswirkungen des El Niño auf Ernte und Preisentwicklung in Südostasien. Marktteilnehmer rechnen damit, dass sich die Lage zum Herbst und Winter hin weiter verschärfen könnte und die Folgen in den Ursprungsländern bis weit in das Jahr 2027 hinein spürbar bleiben.
Derzeit zeigen sich punktuell attraktive Opportunitäten im Markt. Für Kokosmilch aus Vietnam können wir derzeit sehr attraktiv anbieten, während alternative Ursprünge wie Sri Lanka ebenfalls zusätzliche Absicherungsoptionen bieten.
Unsere Einschätzung ist daher klar: Der Markt bleibt auf Sicht fest mit entsprechendem Aufwärtspotenzial auf der Preisseite. Wir empfehlen, Bedarfe noch im Juni abzudecken, um Verfügbarkeit zu sichern und sich gegen mögliche Preissteigerungen im zweiten Halbjahr zu schützen.

Ananas
Der Ananasmarkt gestaltet sich für die kommenden Monate deutlich fester. Hintergrund ist die in Thailand erwartete, spürbar kleinere Ernte 2026. Nach aktueller Einschätzung wurde die Ernteprognose infolge der Witterungseinflüsse durch El Niño auf nur noch 750.000 bis 800.000 Tonnen nach unten korrigiert, nachdem 2025 noch rund 972.000 Tonnen erzielt wurden. Gleichzeitig sind die Früchte vielerorts kleiner, die Verfügbarkeit der Rohware bleibt angespannt und die thailändischen Packer treten derzeit nur sehr zurückhaltend mit Offerten an den Markt.
Der Rohwarenpreis liegt aktuell bei etwa 8,00 bis 8,50 THB/kg und dürfte nach heutiger Markteinschätzung bis in den Herbst hinein weiter anziehen. Zwar werden derzeit noch rund 5.000 Tonnen pro Tag verarbeitet, das verfügbare Angebot bleibt jedoch knapp. Diese Zurückhaltung könnte ein Signal dafür sein, dass Produzenten ihre Positionen absichern und das Risiko scheuen, laufende Kontrakte in einem enger werdenden Markt nicht vollständig bedienen zu können. Ab Juli beginnt zudem die Low Season, bevor die Winterernte erst im Oktober/November wieder anläuft. Gerade diese Winterernte dürfte erheblich unter den Auswirkungen des El Niño leiden.
Unsere Einschätzung lautet: Feste Tendenz, eingeschränkte Verfügbarkeit und weiteres Aufwärtspotenzial auf der Preisseite.
Für Sie bedeutet dies: Der Markt ist aus heutiger Sicht klar kaufwürdig. Wer Verfügbarkeit für die kommenden Monate sichern und sich gegen weitere Preisaufschläge absichern möchte, sollte Bedarfe jetzt platzieren und nicht auf spätere Marktentspannung spekulieren. Wir empfehlen, Mengen mit Vorlauf zu disponieren und zeitnah in die Eindeckung zu gehen.

Bambus
Die Marktsituation in China entwickelt sich für die kommende Saison zunehmend preistreibend. Im Vergleich zur Ernte 2025 wird im chinesischen Binnenmarkt eine deutlich steigende Nachfrage nach Bambusrohware erwartet, was zu höheren Rohstoffkosten für die neue Saison führen wird. Die neue Bambussaison startet voraussichtlich Ende Juni bis Anfang Juli. Die Verarbeitungsbetriebe planen, die Produktion ab Mitte bis Ende Juli aufzunehmen, sodass erste Verschiffungen gegen Ende Juli verfügbar sein werden. Insgesamt wird die Produktionsmenge auf einem vergleichbaren Niveau zum Vorjahr erwartet, sodass von der Mengenentwicklung keine zusätzliche Entspannung auf die Preise ausgeht.
Preislich gehen wir aktuell von einem deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr aus. Erste Einschätzungen deuten auf eine Erhöhung um etwa 10–20 % auf USD-Basis hin. Treiber dieser Entwicklung sind neben der gestiegenen Inlandsnachfrage insbesondere höhere Rohwarenkosten sowie ein ungünstiger Wechselkurs zwischen USD und RMB, der sich bereits um rund 7 % verteuert hat. Zusätzlich wirken steigende Kosten für Arbeitskräfte, Verpackungsmaterialien, Energie und Transport preisunterstützend.
Vor diesem Hintergrund empfehlen wir, Bedarfe frühzeitig zu planen und – insbesondere bei längerfristigem Bedarf – möglichst zeitnah zu sichern, um sich gegen weitere Preissteigerungen im Saisonverlauf abzusichern. Gleichzeitig sollte die Verfügbarkeit der ersten Produktionen ab Ende Juli eng begleitet werden, da sich die tatsächliche Marktentwicklung erfahrungsgemäß erst mit Beginn der neuen Kampagne konkretisiert.
Product and product waste regulation (PPWR):
Die regulatorischen Anforderungen an Lebensmittel und Verpackungen bleiben unverändert hoch. Wir stellen sicher, dass sämtliche gelieferten Produkte einschließlich der verwendeten Verpackungsmaterialien den geltenden deutschen und europäischen lebensmittelrechtlichen Vorschriften entsprechen.